Die Landräte des Kreises Groß-Gerau
eine stattliche Ahnengalerie:
Insgesamt 24 Kreis- oder Landräte prägten die Geschichte des Kreises
Groß-Gerau. Als Vater des Kreises Groß-Gerau ging Ernst Wilhelm
Heim in die Geschichte ein.
1. Anselm Elwert
Regierungsrat und Justizamtmann des alten Amtes
Dornberg. Ab 14. Juli 1821 Landrat des neu geschaffenen Landratsbezirkes
Dornberg.
2. Ernst Wilhelm Heim
Landrat des Landratsbezirks Dornberg nach
Aufhebung der seit 14. Juli 1821 gültigen Landratsbezirke zur Neueinteilung
der Verwaltungszentren in Kreise. Heim wurde am 6. Juni 1832
zum Kreisrat bestellt und am 12. Mai 1852 als Geheimer Regierungsrat
im Ruhestand mit der Verwaltung der Hessischen Brandversicherungskasse
betraut.
3. Johann Baptist Werle
wurde am 12. Mai 1852 mit der provisorischen
Verwaltung des Kreises Groß-Gerau beauftragt und war seit
1854 Kreisrat. Werle starb am 29. Juni 1861 nach längerer Krankheit
in Groß-Gerau und wurde zwischenzeitlich von seinem Kreisassessor
Dr. Jaup vertreten.
4. Eduard Ernst App
Regierungsrat. Vom 13. Juli 1861 bis zu seinem
Tod am 11. Dezember 1862 Landrat des Kreises Groß-Gerau.
5. Karl Boeckmann
Kreisassessor, übernahm zunächst vertretungsweise
die Verwaltung des Kreises und war dann vom 13. Juli 1863 bis
zum 20. Juni 1877 Kreisrat. Boeckmann wurde am 20. Juni 1877 als
Provinzialdirektor nach Gießen versetzt.
6. Freiherr Wilhelm von Schenk zu Schweinsberg
kam als Kreisrat aus
Erbach und amtierte vom 20. Juni 1877 bis zum
1. Dezember 1885.
7. Erwin Freiherr von Löw zu Steinfurt
Amtmann beim Kreisamt Offenbach,
wurde nach Groß-Gerau versetzt und am 1. Dezember 1885
zum Kreisrat ernannt. Hier war er bis zu seiner Pensionierung am 19.
Mai 1900 tätig.
8. Karl Bichmann
kam aus Oppenheim nach Groß-Gerau und übernahm
am 1. Juni 1900 bis zu seiner Pensionierung am 1. November
1905 die Verwaltung des Kreises.
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9. Dr. Eduard Wallau
aus Lauterbach übernahm am 1. November 1905
als Kreisrat die Verwaltung des Kreises Groß-Gerau. Unter Wallau erlebte
der Kreis Groß-Gerau die Kaiserzeit, die schweren Jahre des 1.
Weltkriegs, die anschließende französische Besatzung und den Anfang
der Weimarer Republik. Er gehört zu den bedeutendsten Kreis bzw.
Landräten und wurde mit dem Titel eines geheimen Regierungsrates
am 1. April 1924 in den Ruhestand versetzt.
10. Dr. W. Koch
wurde als Amtmann vom 1. bis zum 15. April 1924 mit
der Vertretung des Kreisrates beauftragt.
11. Ernst Werner
war vom 15. Mai 1924 bis zum 5. Dezember 1924
Landrat. Er kam vom Kreisamt Büdingen und ging am 5. Dezember
1924 als Kreisdirektor nach Offenbach.
12. Dr. Ernst Merck
kam am 13. Februar 1925 als Oberregierungsrat
von der Provinzialdirektion Gießen und stand dem Kreis Groß-Gerau
bis zu seiner Versetzung nach Offenbach am 1. Oktober 1931 vor.
13. Dr. Hermann Usinger (SPD)
Polizeidirektor aus Darmstadt, wurde
am 1. Mai 1932 als Kreisrat nach Groß-Gerau versetzt und am 14. Dezember
1933 von den nationalsozialistischen Machthabern aufgrund
des NS-Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen.
14. Diese beauftragten am 1. Februar 1934 Dr. Straub, Regierungsrat
am Kreisamt Groß-Gerau, zum Kreisdirektor. Er wurde am 19. April
1934 nach Friedberg versetzt.
15. Das Kreisamt Groß-Gerau wurde in der Zeit vom 19. April 1934 bis
zum 17. Dezember 1935 von den Regierungsräten Dr. Schmal und Gutermuth
kommissarisch verwaltet. Beide kamen aus Darmstadt.
16. Alfred Klostermann
amtierte von 1935 bis 1939 als Landrat. Zuvor
war er Landtagsabgeordneter der NSDAP (1931 bis 1933), Bürgermeister
in Schlitz und von 1934 bis 1935 Landrat in Gießen. Von 1939 bis
1940 war er Landrat des Kreises Schrimm im damaligen Regierungsbezirk
Posen, anschließend von 1941 bis 1945 Landrat in Alzey.
17. Hans Denser
Referendar am Landratsamt Heppenheim, wurde am
1. Juli 1940 an das Landratsamt Groß-Gerau versetzt und am 1. Februar
1941 zum Landrat ernannt. Denser war politischer Leiter in der NSDAP
und Mitglied der SS. Ende März 1945 floh er mit verschiedenen Angestellten
des Landratsamts unter Mitnahme der Kreiskasse. Er wurde
von der US-Militärpolizei in Bayern verhaftet und abgeurteilt.
18. Dr. W. L. Grebner
wurde von der US-Besatzung am 14. Mai 1945 als
Landrat eingesetzt. Er zog bereits am 12. Juli 1945 nach Wiesbaden
und verließ die Verwaltung des Landratsamts am 15. Juli 1945.
19. Wilhelm Hammann
Lehrer an der Volksschule Groß-Gerau, war
von 1927 bis 1933 Mitglied des Hessischen Landtags (KPD) und zwischen
1933 und 1945 inhaftiert, seit 1938 im KZ Buchenwald. Er wurde
am 16. Juli 1945 von den Besatzungsbehörden zum Landrat berufen
und am 30. September 1945 wieder abgesetzt. Am 26. Juli 1955 verunglückte
er tödlich.
20. Auch Jean Christoph Harth
aus Rüsselsheim, Gemeinderatsmitglied und
Beigeordneter von 1918 bis 1933 und
von 1921 bis 1933 SPD-Landtagsabgeordneter,
wurde im Faschismus verfolgt
und inhaftiert. Am 1. Oktober 1945 wurde
er kommissarisch mit der Führung
der Kreisverwaltung beauftragt und trat
am 1. Juli 1946 sein Amt als erster frei
gewählter Landrat des Kreises an. In seine
Amtszeit fielen der Wiederaufbau, die Beschaffung von Wohnraum
und die Eingliederung der seit 1946 aufgenommenen Vertriebenen.
Jean Christoph Harth ging am 30. Juni 1954 in den Ruhestand und
starb am 10. November 1956.
21. Kreisamtmann Wilhelm Seipp
aus
Lollar (SPD) übernahm am 1. Juli 1954
als Landrat die Verwaltung des Kreises.
Mit seinem Namen verbinden sich unter
anderem der Neubau des Kreiskrankenhauses
und des Kreisverwaltungsgebäudes.
Er starb am 11. Oktober 1963 in
Groß-Gerau.
22. Bevor Alfred Schmidt aus Rüsselsheim
(SPD) am 16. März 1964 zum neuen
Landrat gewählt wurde, war er Stadtrat
in seiner Heimatstadt und Erster
Kreisbeigeordneter. Unter seiner Leitung
wurde die moderne Kreisverwaltung weiter
ausgebaut. Am 15. März 1970 in den
Ruhestand versetzt, verstarb er am 18.
Mai 1975 in Rüsselsheim.
23. An seine Stelle trat am 16. März 1970
Willi Blodt aus Wolfskehlen, ehemaliger
Kreisjugendpfleger, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter (SPD). In seiner
Amtszeit entwickelte sich der Kreis
zu einem modernen Gemeinwesen, in
dem Wirtschaftskraft, soziale Sicherheit
und Umweltschutz gleichermaßen im
Mittelpunkt stehen. Gesundheits-, und
Bildungswesen sowie soziale Einrichtungen
wurden ausgebaut, Vereine gefördert und die Integration der ausländischen
Mitbürger unterstützt. Nach 22 erfolgreichen Amtsjahren
wurde er am 31. Mai 1992 in den Ruhestand versetzt.
24. Sein Nachfolger Enno Siehr trat sein
Amt am 1. Juni 1992 an und wurde 1998
und 2004 in Direktwahlen als Landrat
des Kreises bestätigt. Unter dem früheren
Bürgermeister von Ginsheim-Gustavsburg
(SPD) wurde ein umfangreiches
Programm zur Modernisierung der Schulen
umgesetzt und in vielen Bereichen
die Zusammenarbeit mit Nachbarkreisen
und Privatunternehmen initiiert. Sein
Name verbindet sich nicht nur mit der Weiterentwicklung der Kreisverwaltung
zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen, sondern
auch mit den seit 1995 stattfindenden Spargeltagen Gerauer Land.
(Überarbeitete Fassung eines Beitrags von Ernst Schneider in der Broschüre
zur 150-Jahr-Feier des Kreises Groß-Gerau 1982.)
175 Jahre Kreis Groß-Gerau
Frühgeschichte
Ernst Wilhelm Heim
Ein zweiter Anfang
Wiederaufbau
Der moderne Kreis Groß-Gerau
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